Wie ging es Frauen in der Pandemie?

Nicht nur am internationalen Frauentag sind uns die Themen der Frauen ein Anliegern.

Berufstätige Frauen haben in der Krise der vergangenen Wochen den Löwenanteil in der Kinderbetreuung übernehmen müssen.

Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Sozialforschungsinstituts Sora. Das heißt, wenn es hart auf hart kommt, müssen die Mütter ran, die Kinder zu betreuen. Abgesehen von den üblichen Haushaltsarbeiten sind da Lernen, Hausaufgaben machen, durch Quarantäne vermehrte freie Zeit mit Spielen und weiteren Beschäftigungen für die Kinder füllen, öfter als sonst Essen machen, weil Quarantäne …

Krise und Gleichberechtigung gehen hier separate Wege. Viele Familien fallen in Rollenmuster zurück, die besser in die 50er Jahre passen. Die Doppelbelastung von berufstätigen Müttern während der Corona-Krise ist zur Vielfachbelastung ausgeufert. Immer mehr Beiträge erschöpfter Frauen in sozialen Medien sowie Artikel in Tageszeitungen zur Realität weisen auf diesen eklatanten Strukturmissstand hin.

Es drängt sich das Gefühl auf, als ob das niemanden kümmert. Ganz im Gegenteil: Es wird als Schwäche ausgelegt, wenn Frauen erschöpft sind und wenn Frauen offen sagen, dass es nicht immer lustig und romantisch in der Quarantäne war. Was ist an Äußerungen, wie „Ich kann schön langsam nicht mehr!“ nicht zu verstehen? Viele Beiträge in den sozialen Medien sind offenbar nur stumme Zeugen. Es ist wichtig, dass wir uns als Gesellschaft bewusst machen, dass „Mütter nicht immer parat stehen und alles aushalten müssen“, wie es eine Mutter so trefflich formuliert hat.

Die Überdrüber-Moms auf Instagram sind nicht die Realität. Die „bessere“ Realität wäre für mich, ein schönes Leben für alle, mit ausreichend hochqualitativen Betreuungsplätzen für alle, die es benötigen, und zwar ganztägig. Und besonders dann, wenn es die Situation erfordert.

Und noch wichtiger ist, dass wir Frauen, die ihre Kinder zur Betreuung abgeben, nicht schief anschauen, weil … sie es nicht schaffen? Sich nicht die Zeit nehmen? Gleichberechtigung enthält das Wort „Recht“. Aber wo ist denn das Recht der Frauen, offen sagen zu dürfen, dass es auch einmal nicht so gut läuft und so perfekt, wie es sonst zu sein scheint? Es muss doch möglich sein, solche Meinungen haben zu dürfen. Und das hat überhaupt nichts zu tun mit „es nicht zu schaffen“ oder „es nicht wollen“.

Politik und Gesellschaft sind gefordert, diese Strukturen neu zu denken. Reden wir darüber. Und bitte liebe Frauen, sprecht es offen aus. Es muss kein Zehnkampf sein.


Daniela Kraincic