Weltfremd

Ein erster Blick aus dem Fenster früh Morgens. Stahlblauer Himmel, die ersten Sonnenstrahlen über die Bergkämme erreichen Gmunden und der Duft von frisch gebranntem Nussbaumer-Kaffee breitet sich in der Wohnung aus. Es könnte ja vielleicht sogar ein guter……

Ein Wochentag, Lieferanten bevölkern den Marktplatz, die ersten Autofahrer versuchen vergeblich einen Parkplatz zu ergattern, lassen das Auto dann einfach irgend wo stehen um ihren wichtigen Obliegenheiten nachzugehen.

Irgendwo hämmert eine Maschine los bei einer Baustelle während ein LKW in Millimeterarbeit versucht, sich unter permanentem Piepsen, aus der Traungasse rückwärts herauszuschälen.

Paketdienste lassen ihre Motoren einfach laufen und die ersten Hartgesottenen versuchen ihren Morgenkaffee im Gastgarten zwischen den Autos zu „genießen“, während der Gehsteig immer schmäler wird durch die darauf, eh nur kurz, abgestellten Fahrzeuge. „I kumm e glei wieder….“

Politisch „angehauchte“ Vorschläge bezüglich des freien Parkens am Marktplatz gehen mir durch den Kopf während es drei Autos schaffen sich ihren ganz privaten Stau zu produzieren der ein unaufhaltsames Wachstumspotential hat, weil schon die nächsten heranströmen um die „Wirtschaft anzukurbeln“.

Gmunden bietet einfach mehr.
Den Verkehr in Frage zu stellen grenzt schon fast an Blasphemie und so füllt sich der Marktplatz mit lärmendem Getöse unserer stahlgewordenen Lebensart um zu zeigen was man ist und hat, nicht einmal darüber nachzudenkend vielleicht das Auto stehen zu lassen und ein paar Schritte zu Fuß zu gehen.

Zu Fuß gehen, wie stelle ich mir das nur vor?
Weltfremde Idiotin.

Verkehr, Auto ist Kundschaft, da gibt’s nix zu diskutieren.
Fußgänger bringen kein Geld, hört man, ohne Autos kann man zusperren, hört man, während mir die Buchstaben entgegenspringen daß hier das Rathaus bis 1301 angesiedelt war.

Ja, wir machen was aus unserer „Altstadt“, lassen sie alt aussehen.
Ja, wir machen was aus unserer „Altstadt“, lassen sie alt aussehen.

Der Morgenspaziergang mit dem Hund wird zum Irrweg. Egal wohin ich mich auch wende, es wird motort, gehämmert, gefahren, gehupt, gelärmt.
Das ist Leben, daß ist Bewegung, deswegen leben wir.

Das „Thema“ ansprechen?
Ist doch überall so, in jeder Stadt, ein Schulterzucken.
Wann haben wir angefangen zu kapitulieren, uns diesem Wahn hinzugeben?

„Weltfremd“ stehe ich da während der Verkehr auf der Theatergasse jede Unterhaltung unmöglich macht, Menschen nicht mehr „sehen“ weil ihr Blick an magischen kleinen Bildschirmen klebt, man ins Smartphone schreit um sich mitzuteilen, Finger Nachrichten in Telefone tippen, aneinander vorbei hetzen, bei Rot über die Straße eilen.

Keine Zeit, schnell, effizient, man ist wichtig, während die Kinder an der Hand ihrer Mütter zusehen und lernen…..

Also abgebogen zur Traun, wo wir von motorbetrieben Gerätschaften empfangen werden die jeden Gedanken an einen Spaziergang in der Natur ad absurdum führen. Motorgebläse und Sense leisten „ganze Arbeit“ und sparen Arbeitskräfte. Schnell, kostengünstiger und „menschensparend“ wird effizient Ordnung gemacht.

Mit Grausen denke ich daran das bald die ersten Gemeinde- „Unkrautvernichter“ auftauchen in Gmunden, jedes noch so zarte Grün das sich erdreistet aus gepflastertem oder betoniertem Boden zu sprießen, umgehend auf Grund einer unendlich hirnverbrannten Verordnung zu vernichten.

Gelb vernichtetes, abgestorbenes, totes „Unkraut“ ist besser als grüne Büschel, vielleicht sogar mit einem unmöglich zu tolerierenden Löwenzahn der, wie alle wissen, ja ein Unkraut ist.
Ordnung muß sein.

Endlich kann ich sogar wieder den ersten Vogel hören nachdem ich weitergegangen war, ein leises Plätschern von der Traun, bis ein ultrlightes Flugding am Himmel das schnell wieder zurechtrückt.

Wos regst di auf, is a so, bleibt a so…

Eine nachdenkliche Cristina DiMontalbano

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