Radfahren in Gmunden – Presseaussendung

Im Jahr 2014 wurde die FahrRad Beratung OÖ auf Initiative der Grünen Gmunden gestartet. Im Bild die Kompetenzgruppe bei der Besichtigung in der Bahnhofstraße. Eine fahrradfreundliche Maßnahme ist mit den Mehrzweckstreifen beim Bahnhof im Zuge des Neubaus inzwischen umgesetzt.

Radfahren boomt. Das Rad wird jedoch primär als Gerät für Sport und Freizeit gesehen, was grundsätzlich erfreulich ist. Im Alltagsverkehr spielt es in Gmunden nur eine untergeordnete Rolle, wie die folgende Statistik zeigt:

Mobilität der Wohnbevölkerung von Gmunden

Verkehrsmittelanteile der Wege relativ (in % an einem durchschnittlichen Werktag, ab 6.Lebensjahr)

davon

2012

2001

1992

Zu-Abnahme1)

keine Angabe

0,1

0,1

zu Fuß

20,4

23,9

32,2

-5,4

Fahrrad

4,0

5,5

4,9

-17,5

mot. Individualverkehr

66,0

59,1

52,6

+24,1

öffentlicher Verkehr ÖV

8,3

10,4

8,8

-10,7

Mischformen IV-ÖV

1,3

1,2

1,5

+22,8Zu-Abnahme von 2001 auf 2012

  1. Zu-Abnahme von 2001 auf 2012

Lediglich 4 % der Wege im Alltagsverkehr werden im Gmunden mit dem Rad zurückgelegt.

Interessant ist auch ein Vergleich des Radfahranteils (am Gesamtverkehr in Prozent) mit anderen Regionen und Städten.

Gmunden

4,0

6,5

Bezirk

8,1

V-bruck

8,9

Münster

38

Kopenhagen1)

38

  1. Kopenhagen hat sich zum Ziel gesetzt, den Radfahranteil auf 60% zu erhöhen, hat dieses Ziel jedoch nicht erreicht. Die Verlagerungspotentiale sind vom MIV zum ÖV gegangen.

Wie der Vergleich mit dem Bezirk Gmunden oder Vöcklabruck zeigt, ist der Radfahranteil in Gmunden unterdurchschnittlich, von den Radhochburgen wie in den Niederlanden, Münster oder Kopenhagen ganz zu schweigen. Der vergleichsweise unterdurchschnittliche Radfahranteil dürfte primär zwei Gründe haben:

    • Die Raumordnung und die Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte war primär am motorisierten Individualverkehr (MIV) orientiert. Durch die Zersiedelung der Landschaft und den Einkaufszentren auf der grünen Wiese hat sich eine Zwangsmobilität mit dem Auto entwickelt. Der öffentliche Raum in der Stadt wurde für das Fahren mit dem Auto optimiert und der unmotorisierte Verkehr (UNMIV) somit zurückgedrängt.
    • Die Topographie Gmundens mit den Steigungen. Es ist typisch für den Menschen, dass er zwar in Sport und Freizeit zu großen Anstrengungen bereit ist, im Alltag jedoch zur Energieminimierung neigt.

Doch in beiden Punkten kann Abhilfe geschaffen werden:

    • Im ersten Fall geht es um die Neuverteilung des öffentlichen Raumes. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, sich eine Zukunft vorzustellen, die anders aussieht. Sie können sich keine andere Straßen-Nutzung vorstellen, als eine, dass zwei Drittel von fahrenden und parkenden Autos blockiert werden. Neue Rahmenbedingungen sind für eine Änderung des menschlichen Verhaltens erforderlich. Radfahrerinnen und Radfahrer schwimmen derzeit noch gegen den Strom. Wir wollen den Menschen zeigen, dass Ihnen der öffentliche Raum gehört. In Gmunden gibt es wegen der beengten Verhältnisse nur wenige Möglichkeiten, Radwege oder Mehrzweckstreifen anzulegen. Allein schon mit der Verringerung des Geschwindigkeits-Unterschiedes zwischen Auto und Rad kann Radfahren gefördert werden.
    • Im zweiten Fall, den Steigungen in Gmunden, kann mit Pedelecs – im Volksmund E-Bike genannt – abgeholfen werden. Gmunden fördert jetzt die Anschaffung eines Pedelec mit € 50,-. Diese Initiative ist erfreulich. Es ist allerdings die Frage, ob € 50,- genug Anreiz für die Anschaffung eines Pedelec sind. Andere Städte sind hier wesentlich großzügiger. Wenn mehr mit dem Rad gefahren wird, sinkt auch die Nachfrage nach Parkplätzen. Und Parkplätze werden derzeit in Gmunden hoch subventioniert.

Die FahrRad Beratung OÖ. für Klimabündnisgemeinden wurde 2015 durchgeführt. Gemeinsam mit der Gemeinde wurden Maßnahmen zur Förderung des Alltagsradverkehrs in den Handlungsfeldern

    • Bewusstseinsbildung
    • Rahmenbedingungen und
    • Infrastruktur

erarbeitet. Dabei wurden neuralgische Punkte besichtigt.

„Radfahren beginnt im Kopf“. Daher legten die Beraterinnen und Berater besonders Wert auf die Themen Motivation, Information und Öffentlichkeitsarbeit. Denn gerade mit Maßnahmen in diesen Bereichen lassen sich bereits mit einem kleinen Budget große Wirkungen erzielen.

Es wurden auch zwei Radfahrbeauftragte installiert. Herr Gottfried Fellner und Herr Gerhard Rastinger haben sich dankenswerter Weise ehrenamtlich dazu bereit erklärt.

Bezüglich konkreter Ideen und Vorschläge dürfen wir auf das beiliegende Positionspapier verweisen. Es ist uns klar, dass für einen fahrradgerechten Umbau des Straßenraumes in Gmunden abgesehen von den eingeschränkten Möglichkeiten weder das Geld, noch die Bereitschaft dafür vorhanden ist. Wir sehen den Radverkehr als längerfristigen Prozess für eine zukunftsfähige Entwicklung, ohne jetzt im Detail auf die Vorteile des Radfahrens, die ohnehin allgemein bekannt sind, einzugehen. 50 % aller Pkw-Fahrten liegen unter 5 km. Das ergibt für das Radfahren im Alltag ein hohes Potential. Wir wollen Radbotschafterin und Radbotschafter sein. Wie hat es Adam Opel (1837-1895) so schön auf den Punkt gebracht: „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“

Otto Kienesberger

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