Gmunden Quergedacht

Es ist schon mühsam zu sehen wie schnell ein Thema dazu vergewaltigt wird eigene Defizite und Befindlichkeiten im Internet auszutragen. Die Kommentare die wirklich substanziell zur Sache beitragen kann man an einer Hand ablesen. Der Rest schlägt auf sich ein daß es nur so eine Freude ist bis die Schläge immer tiefer, unter die Gürtellinie gehen.

Die Befürworter werden zu subventionierten weltfremden Träumern die sich eine Zukunft zurechtlegen, natürlich untermauert von Zahlen  und Fakten die die Gegner stehenden Fußes mit Zahlen und Fakten genauso „glaubhaft und nachweislich“ wiederlegen. Es geht nur noch um Zahlen, den Verkehr, die Schiene, E-Busse, Parkplätze. Es geht nicht mehr darum das jemand etwas sagt über das man nachdenken könnte, oder dem man zuhören sollte, sondern nur noch um die Tatsache das eine politische Farbe, Partei oder ein Verein dahintersteht und das Argument somit zu bekämpfen ist.

Es gibt Argumente pro und contra. Wie man dazu stehen mag ist eine Sache, wie man damit umgeht und sie artikuliert eine ganz andere. Was ich persönlich schade finde ist die Tatsache daß eine sinnvolle und produktive Kommunikation nicht mehr stattfindet.

Und das ist eines der Hauptprobleme bei uns. Es scheint unmöglich ein Projekt in die Welt zu setzen das dann nicht sofort in der Luft zerrissen wird. Da wird es vollkommen egal ob das Projekt Sinn macht oder nicht.

Wann ist es endlich soweit das wir anfangen darüber nachzudenken das es in erster Linie um uns geht. Menschen die in dieser Stadt wohnen, egal wo, egal wie arm oder wohlhabend. Wir alle brauchen einen Platz an dem wir uns wohlfühlen und zu dem wir nach Hause kommen können.

Wir wohnen in einer wunderschönen Gegend. Hetzen von einem Termin zum nächsten und am Wochenende kommt der Freizeitstreß, verkabelt, einem Ideal nachjagend das wir dann online festhalten, vergleichen, in Diagramme manifestieren. Alles muß messbar bleiben, Datenwelt, Wettbewerb, schnell und effizient erreichbar sein. Freie Fahrt für freie Bürger. Wenn ich mit dem Auto da nicht hinkomme fahre ich woanders hin.

Unsere Stadt wird langsam aber sicher entmenschlicht. Es wird immer mehr dem Fortschritt geopfert. Schöne alte Bausubstanz wird einfach eliminiert, sozialer Wohnbau den sich keiner mehr leisten kann. Dafür Neubauten mit leerstehenden Wohnungen, Bankpleiten, der Rückgang der Infrastruktur, Zunahme des Verkehrs und somit der Lärm- und Schadstoffbelastung.

Und weil es so ein tolles Jahr war ballern wir unseren Lebensraum zu Silvester Jahr für Jahr ein wenig weiter zurück in die Steinzeit. Laut Österreichischem Verein für Kraftfahrzeugtechnik (OEVK) werden damit innerhalb einer Nacht ähnliche Emissionswerte erzielt, wie während eines Jahres durch den Auto- und Lkw-Verkehr (ca. 400 Tonnen Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern).

Ist es wirklich so weltfremd sich seinen Lebensraum so zu wünschen das die Lebensqualität für alle zunimmt, daß man gerne „zu Hause“ ist, spazieren geht, seine Umgebung ins Leben einschließt?

Das Projekt kostet so und so viel. Informationen kommen von der einen oder anderen Seite, meist anonym, unter Berufung auf eine anonyme Quelle. Zu viel ? Keine Ahnung, aber die Kanalsanierung wäre so sicher gekommen wie das Amen im Gebet und die Brücke, ja die hätten wir der nächsten Generation überlassen können. Sollen die doch sehen wie sie klarkommen damit.

Selbst wenn ich davon ausgehe das vor und während der Entscheidungsfindung alle Fakten die jetzt durchs Internet kursieren bekannt gewesen wären, würde es wohl nicht anders aussehen. Es würde gestritten werden, man würde sich gegenseitig vorwerfen die Unwahrheit zu sagen, Daten schönzufärben. Es würde sich nichts ändern weil viele nicht wollen daß sich etwas ändert. Weil einige genug Einfluß haben die Dinge so zu lenken wie von ihnen gewollt.

Mal ist es die Umfahrung, mal Geschäftsleute die glauben pleite zu gehen wenn die Kunden nicht mehr bis vor die Haustüre fahren können, mal der öffentliche Verkehr der in unserer riesigen Stadt von sage und schreibe drei Unternehmen abgewickelt wird, der Post, der ÖBB und S&H, mal sind es zu wenige Parkplätze.

Es ist egal, es ist falsch und alle anderen sind schuld, allen voran die Politiker die ja mal von gar nichts eine Ahnung haben und außerdem geht des bei uns net weil…….

Wir reden von Lebensqualität und die größte Angst wenn ein Lokal aufmacht scheint zu sein ob es eh keinen Lokalgarten gibt, zwecks der Ruhe. Man braucht „Verkehrsberuhigte Zone“ nur in den Mund nehmen, oder gar „Fußgängerzone“, dann flippen viele schon komplett aus. Obwohl wir rund um den Traunsee wenigstens an einem Strang ziehen könnten kochen alle ihr eigenes Süppchen. Mia san mia, do loß ma uns net dreiredn.

Nur ein gemeinsames Verkehrskonzept und Koordinierung der öffentlichen Verkehrsmittel würde wirklich Sinn ergeben. Einbindung der Schiffahrt um das Ostufer mit dem Westufer zu verbinden. Linienverkehr rund um den See. Anstatt dauernd über RegioTram herzuziehen sollte man nachdenken wie man selbige einbinden kann, über Ergänzungslinien mit E-Bussen nachdenken wenn die mit Verbrennungsmotor ausgetauscht werden.

Ganz Gmunden zum Lebensraum erklären und alles zur Begegnungszone erklären. Au ja, das gibt einen Aufschrei. Wenn die Umfahrung fertig ist gibt es Ausweichmöglichkeiten und der Verkehr könnte reduziert werden. Mit etwas gutem Willen jedes Einzelnen sogar noch deutlich mehr. Weniger und langsamerer Verkehr, weniger Lärm, weniger Schadstoffe

Ansiedlung von Nahversorger und Handwerksbetrieben in der Kernzone. Die Stadt zum Lebensraum machen durch leistbares Wohnen. E-Bike Verleih mit mehreren Stationen auch für Einwegfahrten.

Man könnte ja mal zur Abwechslung damit anfangen darüber zu reden wie es sich umsetzen ließe, mitgestalten. Wenn wir Gmundner hier daheim Urlaub machen können, dann, und erst dann haben wir eine Basis für den Tourismus.

Aber des geht wahrscheinlich bei uns net weil…………

Cristina Schiwek